• Interview im EVENTCAFE der Hoffmann Eventberatung

    Das Interview finden Sie auch hier.

    Seit 2013 berät und unterstützt Tanja Weber Unternehmen bei ihren Messeaktivitäten im In- und Ausland als selbständige Messeberaterin und freie Projektleiterin. Gerade die Betreuung von Messeauftritten kleiner und mittlerer Unternehmen bildet einen Schwerpunkt ihrer Arbeit. Sie lebt und arbeitet nahe Aachen.

    Hoffmann-Wagner: Du bist seit zwei Jahren als Selbständige auf dem Markt, nachdem Du als Projektleiterin bereits mehrere Jahre auf Unternehmens-, Veranstalter- und Agenturseite im Messe- und Eventmanagement tätig warst. Worin liegen für Dich die Vorteile Deiner jetzt freien Arbeit?

    Tanja Weber: Den Wunsch mich selbständig zu machen hatte ich schon sehr lange. Die Selbständigkeit stellte für mich schon immer eine spannende Herausforderung dar. Dabei war mein Antrieb meine eigene Dienstleistermentalität in der optimalen Art und Weise meinen Kunden anzubieten sowie meine gesammelten Erfahrungen aus der Praxis ganzheitlich einzusetzen.

    Den Schritt in die Selbständigkeit bereue ich nicht und fühle mich sehr wohl damit. Klar gibt es Nachteile, aber definitiv überwiegen die Vorteile. Ein großer Vorteil liegt für mich in der Gestaltungsfreiheit, die eine Selbständigkeit mit sich bringt. Nicht nur bei der Konzeption und fortlaufenden Optimierung meiner Beratungsangebote sondern auch in der Gestaltung effizienter Prozesse und Abläufe. Nach den vielen Jahren im Angestelltenverhältnis hatte ich das Gefühl, es kommt für mich nicht mehr viel Neues, das kann ich seit ich selbständig nicht mehr behaupten.

    Und worin liegen für Deine Kunden die Vorteile mit Dir, als Einzelunternehmerin zusammen zu arbeiten anstatt mit einer großen Agentur? 

    Ich denke, ich kann in vielen Punkten individueller sowie kurzfristiger und tatsächlich nach Bedarf auf meine Kunden eingehen. Mit mir als freier Projektleiterin bleiben meine Kunden personell flexibel und holen sich motivierte Unterstützung mit umfangreichem Messe-Knowhow ins Haus und zwar genau dann, wenn sie es brauchen. Auf Wunsch arbeite ich vor Ort bei den Unternehmen, denn aufgrund der räumlichen Nähe können dann viele Absprachen schneller und effizienter erfolgen und ich bin in interne Abläufe eingebunden.

    Neben größeren Messeauftritten betreust Du auch die sog. KMU bei ihren Messeauftritten. Gibt es Unterschiede in der Zusammenarbeit mit großen Unternehmen und KMU? Werden von KMU andere Leistungen bei Dir abgerufen? 

    In den beiden Jahren meiner Selbständigkeit konnte ich keine klaren Unterschiede erkennen. Jedes Projekt war sehr individuell und daher schwer vergleichbar.

    Von sehr kleinen Unternehmen wird schwerpunktmäßig meine Kurzberatung angefragt, auf die oft vertiefende Beratungstermine zu gewünschten Einzelthemen folgen. Ganz nach Bedarf.

    Viele KMU planen und realisieren ihre Messeauftritte in Eigenregie ohne Beratung oder Unterstützung von außen – einige mit mehr, andere mit weniger Erfolg. Ab wann empfiehlst Du, ein Messeprojekt an einen externen Dienstleister wie Dich zu geben?

    Generell empfehle ich meinen Kunden, sich immer den Rat eines Messe-Experten einzuholen. Allgemeingültige Kriterien gibt es für mich nicht. Hier spielt z.B. die Standgröße keine Rolle. Ich empfehle meinen Kunden, sich selbst bei einer sehr kleinen Fläche auf einer regionalen Verbrauchermesse beraten zu lassen. Das spart Budget und steigert die Effizienz der Messebeteiligung erheblich.

    Gerade für diese Zielgruppe fallen die Kosten einer Messebeteiligung sehr ins Gewicht. Für Freiberufler und kleine Unternehmen habe ich zu diesem Zweck meine Kurzberatung, den Messe-Quick-Check, entwickelt. Er gibt Hilfestellung dabei grobe, übliche Fehler zu vermeiden.

    Ich höre viele Berichte von KMU, die an Messen teilgenommen haben und im Nachhinein von dem Kosten-Nutzen-Output enttäuscht sind. Nicht selten werden die Messeaktivitäten danach nicht weiter verfolgt. Was rätst Du solchen Unternehmen?

    Ich höre immer wieder den Satz: „Das war viel zu teuer und hat sich überhaupt nicht gelohnt.“ Oft frage ich dann z.B. nach dem Ablauf der Messenachbereitung und ernte regelmäßig erstaunte Blicke. Ich rate meinen Kunden, wichtige Eckpfeiler zu beachten und auf keinen Fall mit einer schlechten Zeitplanung im Vorfeld oder unvorbereitet auf eine Messe zu gehen, und es muss auf jeden Fall recherchiert werden, ob es sich auch tatsächlich um die richtige Messe handelt.

    Erst vor kurzem habe ich einer Freiberuflerin von einer Messeteilnahme abgeraten, da alle wichtigen Eckpfeiler nicht umgesetzt werden konnten. Um schlecht vorbereitet auf eine Messe zu gehen ist diese Plattform definitiv zu teuer! Das war allerdings eine Ausnahme. Messen haben einen sehr hohen Stellenwert, da sie von allen Marketinginstrumenten die meisten und am breitesten gefächerten Möglichkeiten bieten. Eine genaue Definition der Messeziele sowie die frühzeitige und optimale Planung helfen dabei dieses Potenzial optimal zu nutzen und das Budget zu schonen.

    Du bietest ganzheitliches und nachhaltiges Messemanagement an – was bedeutet das für Deine Kunden?

    Aufgrund meiner Berufserfahrung in unterschiedlichen Positionen verfüge ich über Erfahrungen aus verschiedenen Blickwinkeln, die ich intensiv in meine Arbeit einbeziehe. Auch ist mir der Kontakt zu den zuständigen Marketingansprechpartnern sehr wichtig, um Messeaktivitäten optimal in das komplette Marketingkonzept einzubinden. Von einer separierten Maßnahme, außerhalb des Gesamtkonzeptes, rate ich ab.

    Das Thema Nachhaltigkeit spielt seit Beginn meines Studiums der Geographie in Bonn 1997 für mich eine große Rolle. Ich freue mich, dass das Thema immer mehr an Bedeutung gewinnt, wenn auch verhältnismäßig langsam.

    Du bist inzwischen seit 10 Jahren im Messebereich tätig – was hat sich in dieser Zeit beim Thema Messe/Messeteilnahme von Unternehmen verändert?

    Da ich einige Jahre innerhalb der Photovoltaik tätig war, habe ich seitdem eine komplette Branche schnell wachsen und wieder sehr schnell schrumpfen sehen. Diese Erfahrung hat mich definitiv geprägt.

    Auf der einen Seite achten Unternehmen heute sehr deutlich auf den effizienten Einsatz von Messebudgets und hinterfragen den Sinn einer Messebeteiligung meiner Meinung nach häufiger. Auf der anderen Seite sehe ich seit Jahren immer wieder die gleichen Fehler auf einer Messe. Sei es im Kleinen oder auch im ganz Großen.

    Deine Einschätzung zur Zukunft des Messebereichs: es gibt inzwischen zahlreiche Anbieter sogenannter virtueller Messen, die sich ausschließlich im Online-Raum, also nicht in physischen Messehallen, abspielen. Siehst Du darin eine echte Alternative zur klassischen Messe? Wie wird sich das Thema Messe in den nächsten 5-10 Jahren verändern?

    Ich denke nicht, dass eine virtuelle Plattform den persönlichen F2F-Kontakt jemals komplett ersetzen kann. Als Erweiterung, strategisch eingebunden in das Gesamtkonzept einer Messe, machen virtuelle Formen für mich aber definitiv Sinn. Ich bin gespannt auf die Entwicklung der nächsten Jahre.

    Was war für Dich der spannendste oder auch herausforderndste Auftrag?

    Mein bisher spannendstes Projekt war noch zu Zeiten meiner Festanstellung die Konzeption und Organisation einer Photovoltaik Messe in Shenzhen, China. Nicht nur der Sprache wegen, deren Kenntnisse inzwischen leider schon wieder deutlich eingerostet sind. Vor allem die Sicherheitsstandards und Abbau-Mentalität dort haben mich bei meinem ersten Projekt im Jahre 2009 kurz zusammen zucken lassen, aber es war eine tolle Erfahrung mit einem super Team!

    Auf was freust Du Dich in der nächsten Zeit am meisten?

    Um ehrlich zu sein freue ich mich auf den anstehenden Urlaub und lange Spaziergänge am Strand. Danach habe ich neue Energie für anstehende Projekte, schwerpunktmäßig für kleine Unternehmen.

    Außerdem stehen neben zahlreichen Messebesuchen verschiedene Netzwerk- und Kooperationsgespräche im Kalender. Darauf freue ich mich ebenfalls sehr. Gut funktionierende Netzwerke sind für mich immer wieder eine spannende Inspirationsquelle.

    Ich danke Dir sehr für dieses Gespräch, liebe Tanja Weber!

    Ich danke Dir, Kerstin!

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